Berufsfindung – Was wirklich hinter deinem Berufswunsch steckt
Den richtigen Beruf zu finden, ist nicht immer einfach. Oft entscheiden wir aus dem Bauch heraus, aufgrund von dem was andere sagen, oder anhand von dem, was wir durch Familie, Freunde oder Bekannte kennen. Selbst wenn wir anfangen, uns oberflächlich damit zu beschäftigen, was der richtige Job für uns sein könnte, sind die Kriterien meist nur wenig bis überhaupt nicht klar.
Wenn ich in meinen Karriereberatungen die Kunden einleitend frage, was für sie in ihrem zukünftigen Job wichtig ist, antworten viele mit dem Wort „Geld“. Ab da beginnt für den Klienten dann erstmal eine lange und beschwerliche Reise, um herauszufinden, was ihm tatsächlich wichtig ist.
Versteht mich bitte nicht falsch. Das Finanzielle ist für die eigene Lebenshaltung ein wichtiger Aspekt und für einen Hungerlohn kann die Tätigkeit noch so ansprechend sein – langfristig wird man dort trotzdem nicht glücklich, wenn sich die Gedanken nur um die Existenzsicherung drehen. Doch am Ende gehört eben mehr dazu als nur das Monetäre, damit wir in unserem Beruf glücklich sein können.
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Was beeinflusst unsere Entscheidung?
Hier ein paar gängige Entscheidungsbegründungen:
„Ich möchte viel Geld verdienen.“
„Ich möchte einen Job, der mich fordert und wo ich mich weiterentwickeln kann.“
„Ich mach das, was ich die letzten 15 Jahre gemacht habe. Das kann ich.“
„Ich möchte Karriere machen und in eine Führungsposition.“
„Ich möchte in die Automobilbranche.“
„Ich möchte anderen Menschen helfen. Also werde ich Arzt.“
Die Gründe für unsere Berufswahl liegen meist tief im Verborgenen und werden durch unbewusste Prozesse bereits in der Kindheit geprägt. Den ersten entscheidenden Einfluss übt das Elternhaus aus: Wie Eltern über ihre Arbeit sprechen und wie diese das Familienleben beeinflusst, formt unser frühes Bild der Arbeitswelt. Später wird die Schule zum zentralen Orientierungspunkt, wobei Schulnoten oft fälschlicherweise als alleiniger Gradmesser für unsere Fähigkeiten dienen und so Vorlieben oder Abneigungen prägen, die für die tatsächliche Berufswelt kaum zielführend sind.
In der Pubertät gewinnen zudem Peer-Groups an Bedeutung, während Eltern weiterhin – oft unbewusst – ihre eigenen Erwartungen auf das Kind projizieren. Ergänzt durch kurze Stippvisiten der Berufsberatung, entsteht so ein oft lückenhaftes Fundament, auf dem wir schließlich die folgenschwere Entscheidung für unseren vermeintlichen „Traumjob“ treffen sollen.
Was sagt die aktuelle Forschung zu diesem Thema
Die aktuelle Forschung des BIBB bestätigt, dass Jugendliche ihre Berufsentscheidung häufig unterbewusst und basierend auf einseitigen Kriterien treffen. Ein zentraler Faktor ist die soziale Anerkennung: Die Meinung des Umfelds sowie das Prestige eines Berufs wiegen oft schwerer als die tatsächliche persönliche Eignung. Auch Geschlechterklischees wirken nach wie vor als Barriere; Berufe, die als „typisch männlich“ oder „typisch weiblich“ gelten, werden von Jugendlichen des jeweils anderen Geschlechts seltener in Betracht gezogen.
Zusätzlich spielt die finanzielle Erwartung eine entscheidende Rolle. Berufe, die im sozialen Nahfeld als schlecht bezahlt gelten, werden häufig direkt aussortiert. Um diesen verzerrten Entscheidungsprozessen – dem sogenannten Entscheidungsbias – entgegenzuwirken, empfiehlt die Forschung eine frühzeitige, facettenreiche Informationsvermittlung. Nur durch aktives Ausprobieren verschiedenster Berufsfelder lassen sich oberflächliche Vorurteile abbauen und eine fundierte Wahl treffen.
Was macht eine „gute“ Berufswahl aus?
Eine fundierte Berufswahl erfordert eine bewusste Entscheidung, die äußere Einflüsse minimiert und die eigene Persönlichkeit ganzheitlich betrachtet. Da die Fülle an Möglichkeiten ein vollständiges Ausprobieren unmöglich macht, ist eine gezielte Vorselektion unumgänglich.
Dabei greift die klassische Frage „Was macht dir Spaß?“ oft zu kurz. Nicht jedes Hobby eignet sich zum Beruf, da meist entscheidende Rahmenfaktoren wie der eigene Charakter und die persönlichen Werte ignoriert werden. Wer beispielsweise das Zeichnen liebt, aber ein hohes Sicherheitsbedürfnis hat oder die Arbeit im Team schätzt, wird als freischaffender Einzelkünstler kaum glücklich werden.
Das Problem: Solche Diskrepanzen bemerken wir oft erst, wenn wir bereits in der Situation stecken. Unsere Zukunftsvorstellungen sind voller Lücken, die unser Unterbewusstsein mit idealisierten Bildern füllt. Eine gute Wahl gelingt daher nur, wenn wir über die bloße Freude an einer Tätigkeit hinaus prüfen, ob die Begleitumstände des Berufs tatsächlich zu unserem Naturell passen.
Was bedeutet das jetzt zusammengefasst?
Ziel einer erfolgreichen Berufsfindung ist es, Licht ins Dunkel der eigenen unbewussten Anteile zu bringen. Greifbare Ankerpunkte wie die Persönlichkeitsstruktur (z. B. nach den Big Five), individuelle Werte, Überzeugungen und Ziele helfen dabei, die eigenen Facetten besser zu verstehen und ein realistisches Selbstbild zu zeichnen.
Ein oft unterschätzter Faktor sind zudem die Auswirkungen auf das soziale Umfeld. Jede berufliche Entscheidung beeinflusst das Privatleben: Ein Umzug ins Ausland oder eine steile Karriere mit vielen Überstunden fordern ihren Tribut von Freundschaften und der Familie. Da ein stabiles soziales Netz nachweislich essenziell für unsere Resilienz und das allgemeine Wohlbefinden ist, sollte eine bewusste Distanzierung davon zugunsten des Jobs wohlüberlegt sein.
Wieso brauchen wir mehr gezielte Berufsorientierung?
Es gibt über 320 anerkannte Ausbildungsberufe in Deutschland. Davon schaffen es aber nur die Wenigsten überhaupt in die engere Auswahl. Viele Berufe sind den meisten Menschen nicht mal bekannt. Damit haben wir bei ein paar wenigen Ausbildungsberufen eine große Konkurrenz, während es in anderen Bereichen sehr schwierig ist, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Mit einer umfangreicheren Berufsorientierung unterstützen wir nicht nur weniger präsente bzw. auf den ersten Blick weniger attraktive Branchen und Tätigkeitsbereiche, sondern sorgen auch dafür, dass viele Menschen weniger Umwege machen müssen, um an ihren „Traumjob“ zu kommen. Gegen gelegentliche Umwege spricht zwar erstmal nichts, aber oft wird es mit steigendem Alter Zusehens schwieriger, neu anzufangen. Umschulungen kosten viel Geld und die Chance bekommen in der Regel nicht viele. Doch ohne Unterstützung ist die finanzielle Abhängigkeit von einem Vollzeitjob oft so groß, dass ein Zurückgehen in eine Ausbildung oder in ein Studium mit den zusammenhängenden, finanziellen Einbußen nicht mehr möglich ist.
Wie können uns Andere bei der Berufsfindung unterstützen?
Obwohl staatliche Initiativen und Schulprogramme die Berufsorientierung flächendeckend fördern, bleiben sie meist an der Oberfläche. Ein kurzer Vortrag oder das Recherchieren von Berufsbildern ersetzt keine Tiefenanalyse der individuellen Voraussetzungen.
Um unbewusste Prägungen, fremde Erwartungen und tatsächliche Stärken wirklich in Einklang zu bringen, ist eine professionelle Begleitung im Einzelgespräch entscheidend. Nur durch gezieltes Hinterfragen im persönlichen Coaching wird die Berufsfindung von einem bloßen Glücksfall zu einer fundierten, bewussten Entscheidung.
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